Eine Welt, in der Krebs bei jedem Kind heilbar ist - ohne Nebenwirkungen, ohne Spätfolgen. Das ist unsere Vision. Forschung ist unsere stärkste Waffe im Kampf gegen Krebs. Die Kampagne "Cancel Cancer" (https://www.cancelcancer.de/initiative/) teilt unsere Vision und macht sich - gemeinsam mit prominenten Botschaftern - stark für die Kinderkrebsforschung an unserem Institut. Herzlichen Dank an die UFA, Create to Care, Camcore, Schirmherr Nico Hofmann, an alle Schauspieler und Moderatoren, sowie an die Familienväter Timo Wentzel und Daniel Littau, die diese Initiative ins Leben gerufen haben.
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(c) Sebastian Sellner

(c) Sebastian Sellner

(c) Sebastian Sellner
Hirntumore machen nach den Leukämien die zweithäufigsten Krebserkrankungen im Kindesalter aus, und manche Tumortypen gehen noch immer mit einer sehr schlechten Prognose einher. Seit sechs Jahren beschäftigt sich die Arbeitsgruppe von Professor Ulrich Schüller mit dem zellulären Ursprung, der Pathogenese und Therapiemöglichkeiten von Medulloblastomen, atypischen teratoid/rhabdoid Tumoren (AT/RT) und Ependymomen. Mit gleich drei Preisen wurde nun die Arbeit der WissenschaftlerInnen ausgezeichnet, zu denen wir herzlich gratulieren. Hier sind die Preise und ihre Preisträger:
Frau cand. med. Denise Yang erhält den Preis für die beste Publikation am UKE mit studentischer Erstautorenschaft. Thematisch geht es um histologische und epigenetische Veränderungen, die in der Rezidivsituation bei Ependymomen auftreten.
(Frau Denise Yang; Dotierung: 500 Euro; Titel der Arbeit: Ependymoma relapse goes along with a relatively stable epigenome, but a severely altered tumor morphology ; erschienen in Brain Pathology 2021, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/bpa.12875)
Ein weiterer Preis wurde im Rahmen des Europäischen Neuropathologenkonkress für das beste Poster im Bereich "Tumoren" ausgelobt. Damit wird die Arbeit von Ulrich Schüller und Michael Bockmayr gewürdigt, die mit ihrem Projekt einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis von spinalen Ependymomen leisten.(Dotierung: 400,- € + Fachbuch; Titel der Arbeit: Myxopapillary ependymomas comprise two subgroups with distinct age, histomorphology, DNA methylation, gene expression, and clinical outcome)
Schließlich erhielt Ulrich Schüller den zweiten Preis des "Best publication award" der Federation of European Neuroscience Societies (FENS). Hierbei geht es um die Rolle von Tcf4 in der Hirnentwicklung. (Erstautoren der Studie: Melanie Schoof und Malte Hellwig; Dotierung: 1500 Sterling Pounds; Titel der Arbeit: The basic helix-loop-helix transcription factor TCF4 impacts brain architecture as well as neuronal morphology and differentiation; erschienen im European Journal of Neuroscience 2020, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ejn.14674)

Prof. Dr Ulrich Schüller

cand. med. Denise Yang

Dr. Michael Bockmayr
Das Eindringen von tumorinfiltrierenden Lymphozyten (TILS) in einen Tumor lassen Aussagen zur Immunantwort sowie Prognosen über Therapieerfolg und Überlebenschancen zu. Um diesen Biomarker auch für kindliche Hirntumoren besser nutzbar zu machen, fehlte bislang eine praxisnahe Technik, die sich an der diagnostischen Routine orientiert. Mit DIMEimmune hat das Forscherteam von Professor Schüller nun ein Analyse-Tool entwickelt, das auf DNA-Methylierungsdaten angewendet werden kann und Aussagen über TIL-Häufigkeiten in der Mikroumgebung kindlicher Hirntumoren ableitet. „DIMEimmune haben wir mit Hilfe eines Ansatzes entwickelt, der auf differentieller Methylierung und Hauptkomponentenanalyse basiert und uns hilft, die Häufigkeit von CD4+ und CD8+ T-Zellen sowie die Anzahl der tumorinfiltrierenden Lymphozyten (TILs) aus Bulk-Methylierungsdaten einzuschätzen“, erklärt Dr. Michael Bockmayr, der auch als Kinderarzt in der pädiatrischen Onkologie arbeitet und die Studie federführend zusammen mit Prof. Schüller geleitet hat. Zum Einsatz gekommen ist die Methode bereits bei kindlichen Gliomen, Medulloblastomen, atypischen teratoiden/rhabdoiden Tumoren (ATRTs) sowie Ependymomen. Dabei zeigte sich, dass hochgradige Gliome höhere Werte an tumorinfiltrierenden Lymphozyten aufwiesen als niedriggradige Gliome. In Medulloblastom-Untergruppen gab es insgesamt nur wenige tumorinfiltrierende Lymphozyten. ATRTs waren hingegen stark von Lymphozyten infiltriert. In Zukunft könnte DIMEimmune als zusätzlicher prognostischer oder prädiktiver Faktor in kindlichen ZNS-Therapieoptimierungs-Studien dabei helfen, das klinische Verhalten des Tumors sowie das Ansprechen einer Therapie besser beurteilen zu können. Hier geht es zur aktuellen Publikation.
DIMEimmune: Robust estimation of infiltrating lymphocytes in CNS tumors from DNA methylation profiles; Sepehr Safaei, Malte Mohme, Judith Niesen, Ulrich Schüller & Michael Bockmayr Article: 1932365 | Received 21 Jan 2021, Accepted 16 May 2021, Published online: 17 Jun 2021
Das Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg wurde vor 15 Jahren mit dem Ziel gegründet, die molekularen Grundlagen der Krebsentstehung im Kindesalter besser zu verstehen und neuen Therapien den Weg zu ebnen. Heute arbeiten rund 50 Mitarbeiter, Ärzte, Wissenschaftler und technische Assistenten erfolgreich im Bereich der Stammzelltransplantation und Immuntherapie, Leukämien sowie der Pädiatrischen Neuroonkologie - also an Themen, die in der Pädiatrischen Onkologie eine zentrale Rolle spielen. Der aktuelle Forschungsbericht stellt die Forschungsleistung der Arbeitsgruppen vor, lässt Gratulanten zu Wort kommen und gibt einen Ausblick auf die Zukunft der pädiatrischen Onkologie. Hier geht es zur digitalen Ausgabe. Angefordert werden kann der Forschungsbericht unter buero@kinderkrebs-hamburg.de
Obwohl bösartige Hirntumoren zu den zweithäufigsten Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zählen, sind viele Tumoren nach wie vor kaum erforscht und bis heute schwer therapierbar. Häufig fehlt das Wissen über ihre Biologie – eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung erfolgreicher Therapieansätze. Professor Ulrich Schüller vom Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg erforscht gezielt die molekularen Entstehungsmechanismen kindlicher Krebserkrankungen, um neuen, innovativen Therapien den Weg zu ebnen.
Professor Schüller: Wie viele Kinder erhalten pro Jahr die Diagnose Hirntumor und welche Ursachen gibt es?
Hirntumoren sind die zweithäufigsten Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter. In Deutschland erhalten rund 500 Kinder jährlich die niederschmetternde Diagnose. Hirntumoren zeichnen sich häufig durch ein aggressives Verhalten aus und führen dazu, dass immer noch zu viele Kinder hieran versterben oder lebenslang mit den schwerwiegenden Nebenwirkungen einer Tumortherapie zu kämpfen haben. Die genauen Ursachen sind noch ungeklärt. Genetische Faktoren werden als mögliche Ursache diskutiert.
Warum sind Hirntumore die Stiefkinder der Forschung?
Kindliche Hirntumore stellen uns vor große Herausforderungen und zeigen uns bislang noch Grenzen in der Patientenversorgung auf. Sie zeichnen sich durch eine enorme biologische Heterogenität aus, viele verschiedene Arten mit unterschiedlichsten Lokalisationen im Gehirn, die in verschiedenen Entwicklungsstadien entstehen und die teilweise noch nicht erforscht sind. Das macht die Diagnostik und damit die Therapie extrem schwierig. Zudem gibt es viele Tumoren, die anatomisch so schwer erreichbar sind, dass eine vollständige Entfernung nicht möglich ist bzw. zu gefährlich wäre.
Es besteht großer Bedarf einer verstärkten Erforschung kindlicher Hirntumoren, um diese besser zu verstehen und in der Konsequenz Substanzen zu identifizieren oder zu entwickeln, die das Tumorwachstum bremsen. Das ist keine leichte Aufgabe. Sie erfordert Hintergrundwissen zu Biologie und Onkologie, technische Kenntnisse und Fähigkeiten, Fleiß und Ausdauer, aber auch eine räumliche, personelle und finanzielle Ausstattung, die moderne Forschung am Puls der Zeit möglich macht.
Mehr über die Forschung von Professor Schüller, über das Behandlungsnetzwerk HIT-MED sowie Erfahrungsberichte betroffener Familien gibt es in der Mitgliederzeitschrift DER SCHMETTERLING, die kostenlos über die Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum angefordert werden kann (buero@kinderkrebs-hamburg.de) oder digital auf der Webseite www.kinderkrebs-hamburg.de zur Verfügung steht (Ausgabe 135).
Weitere Informationen:
Zur Person
Prof. Dr. Ulrich Schüller ist Oberarzt im Institut für Neuropathologie des UKE und hat gleichzeitig die Stiftungsprofessur für Molekulare Pädiatrische Neuroonkologie am Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg inne.
Über das Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg
Das Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg (www.kinderkrebs-forschung.de) wurde im Jahr 2006 von der Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg e.V. mit Spendengeldern gegründet. Am Institut werden die molekularen Entstehungsmechanismen der Krebserkrankungen bei Kindern erforscht, um neue Ansätze für bessere und zielgenaue Therapien zu entwickeln. Spenden, Patenschaften und privates Engagement ermöglichten innerhalb kürzester Zeit den erfolgreichen Aufbau dieser Einrichtung. Das junge Institut wird von einem wissenschaftlichen Beirat begleitet und arbeitet eng mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) sowie dem Heinrich-Pette-Institut (HPI) zusammen. Rund die Hälfte der Projektkosten werden durch kompetitive Drittmittel gedeckt (u.a. Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Deutsche Krebshilfe, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Europäische Union (EU)).
Krebs bei Kindern
Jährlich erkranken in Deutschland etwa 2.000 Kinder bis zu ihrem 18. Lebensjahr an Krebs, davon 140 in Hamburg und Umgebung. Dank verbesserter Behandlungsmöglichkeiten können heute schon circa 80 Prozent der erkrankten Kinder geheilt werden. Ziel in den nächsten Jahren ist es, diese Erfolge weiter zu steigern, Nebenwirkungen zu verringern und die Spätfolgen von Erkrankungen und Therapien zu reduzieren. Krebs ist die häufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Blutkrebs (Leukämien), Hirntumoren und Tumoren des Lymphgewebes sind, bei älteren Kindern auch Weichteil- und Knochentumoren, die häufigsten Krebsarten. Der Behandlungszeitraum einer Therapie kann bis zu drei Jahre dauern.
Kontakt
Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg e.V.
Tina Winter I winter@kinderkrebs-hamburg.de
Gebäude N21 – UKE I Martinistraße 52 I 20246 Hamburg
Telefon 040 – 25 60 70
2021 schreibt die Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg e.V. gemeinsam mit der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie (PHO) vier Stipendien (jeweils 800 EURO/Monat) für Medizindoktoranden/innen aus. Angesprochen werden sollen damit forschungsbegeisterte Medizinstudenten/innen, die Interesse an einer Dissertation im Bereich Pädiatrische Krebsforschung haben (1 Jahr /Vollzeit / Start: 1.10.2021). Es geht um aktuelle Themen der Pädiatrischen Hämatologie und Onkologie: Leukämogenese, Signalnetzwerke, Immuntherapie, Hirntumoren, Stammzelltransplantation, Entwicklungsneurobiologie sowie Lymphomen.
Bewerbungsprozedere und Fristen
Bitte schicken Sie bei Interesse Ihre Bewerbung mit Lebenslauf, Motivationsschreiben, Zeugnissen (iMed-Zertifikat / Physikum / Abitur) als ein einziges pdf-Datei bis zum 30. Juni 2021 an Frau Astrid Evert (buero@kinderkrebs-forschung.de, Tel: 040 / 42605-1210). Auswahlgremium: Prof. M. Horstmann, Prof. I. Müller, Prof. S. Rutkowski, Prof. U. Schüller
Über das Juli Harnack-Stipendium
Julian „Juli“ Harnack verstarb 2006 im Alter von 16 Jahren an einem Hirntumor - für die Familie, Angehörigen und Freunde ein unfassbarer Schicksalsschlag. In Gedenken an den leidenschaftlichen Hockeyspieler Juli organisiert sein ehemaliger Verein, der Uhlenhorster Hockey-Club (UHC), seit 2007 ein Hockeyturnier. Die Erlöse des mittlerweile nationalen Turniers kommen unserer Krebsforschung zugute. Mit dem 2018 ins Leben gerufenem Juli-Harnack-Stipendium möchte die Familie Harnack nun gemeinsam mit dem Forschungsinstitut gezielt Nachwuchswissenschaftler/innen für die Kinderkrebsforschung gewinnen. Weiterführende Informationen zu Juli Harnack und dem gleichnamigen Hockey-Turnier finden Sie hier http://www.juli-harnack-turnier.de
Nachwuchsförderung. Für Forschung begeistern
Translationale Nachwuchsförderung im Bereich der Krebsforschung ist zentrales Anliegen des Forschungsinstituts Kinderkrebs-Zentrums Hamburg. Mit unterschiedlichen Förder- und Ausbildungsmaßnahmen möchte das Institut – verzahnt mit dem UKE, der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie (PHO) sowie dem Heinrich-Pette-Institut (HPI) – das Interesse an experimenteller Forschung wecken und die fachliche Weiterbildung junger Wissenschaftler/innen in der pädiatrischen Onkologie vorantreiben.
Die akute B-Vorläufer lymphoblastische Leukämie (ALL) ist der häufigste Krebs im Kindesalter, bei der die Reifung bestimmter weißer Blutkörperchen – der B-Zellen oder B-Lymphozyten – gestört ist. Ein bedeutender Transkriptionsfaktor für die B-Zelldifferenzierung ist EBF1 (early B-cell factor 1), der durch eine abnormale Expression des Zinkfingerfaktors ZNF423 gehemmt werden kann. Die zugrunde liegenden molekularen Mechanismen sind bis heute jedoch weitestgehend unklar. Das Forscherteam von Professor Martin Horstmann beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Rolle des Zinkfingers ZNF423 auf die Pathogenese der ALL und konnten in früheren Arbeiten bereits eine gestörte epigenetische und transkriptionelle Regulation des Zinkfingerfaktors 423 als einen möglichen Mechanismus identifizieren, der die B-Zell Differenzierung hemmt und an der Entstehung der ALL kausal beteiligt ist.
Im Rahmen aktueller Forschungen beobachtete Professor Horstmann und sein Team die breite Prävalenz und den Einfluss von ZNF423 auf die differentielle Genregulation in verschiedenen Subtypen der primären menschlichen ALL. "Mit Hilfe der CRISPR-Cas9-Technologie haben wir ein zelluläres Modell der Pro-B-Leukämie entwickelt, das zeigt, wie ZNF423 die Lebensfähigkeit der Zellen verringert resp. das Überleben von Mäusen verlängert werden kann, wenn diese mit Zellen, denen ZNF423 fehlte, xenotransplantiert wurden“, erläutert Professor Horstmann. Neben der Kartierung des genomweiten Bindungsmusters vertieften die Wissenschaftler ihre Erkenntnisse zu den verschiedenen epigenetischen Markierungen der durch ZNF423 gebundenen Genomregionen und ihrer entsprechenden Transkriptome - auch im Hinblick auf den Einfluss von ZNF423 auf die Transkriptionsprogramme von EBF1 und dem ebenfalls von ZNF423 gebundenen SMAD1/4. Wir verstehen nun besser, welche Genaktivitäten dieses Protein im Kontext der B-Linie reguliert, welche Zielgene durch ZNF423 beeinflusst werden. Das stärkt unsere Annahme, dass ZNF423 eine bisher unterschätzte Rolle bei der Leukämogenese spielt“, so Prof. Martin Horstmann. Das wiederum lässt auf neue, zukünftige Therapiekonzepte bei der kindlichen Leukämie hoffen.
ATRTs (Atypische teratoide/rhabdoide Tumoren) sind seltene, aber hoch aggressive maligne Erkrankungen des Zentralnervensystems im Kindesalter, die häufig in den ersten zwölf Lebensmonaten auftreten. Genetische Ursache dieser Tumoren sind Mutationen in SMARCB1 (über 95%) oder – viel seltener – in SMARCA4, die jeweils zur Inaktivierung des jeweiligen Genprodukts führen. Wissenschaftler gehen bei den SMARCA4-mutierten Fällen von einer höheren Häufigkeit an Keimbahnmutationen, einem jüngeren Alter der Patienten und einer vermutlich noch schlechteren Prognose im Vergleich mit SMARCB1 defizienten ATRTs aus - handfeste Beweise für biologische Unterschiede aber fehlten bislang.
Auf Grundlage ihrer DNA-Methylierungsprofile und ihrer Genexpression werden SMARCB1-mutierte ATRTs in drei verschiedene molekulare Subgruppen unterteilt: ATRT-TYR, ATRT-SHH und ATRT-MYC. Diese unterscheiden sich hinsichtlich des Alters bei Diagnose, der Tumorlokalisation, der Art der SMARCB1-Veränderungen und des Gesamtüberlebens. Unklar war bislang, ob die weitaus weniger gut untersuchten ATRT-SMARCA4 zu einer der beschriebenen ATRT-Untergruppen gezählt werden können, und wenn ja zu welcher. Dr. Dörthe Holdhof aus der AG Schüller ist es im Rahmen internationaler Zusammenarbeiten nun gelungen, hier Klarheit zu schaffen. Die Arbeitsgruppe konnte zeigen, dass die Proben eine separate Untergruppe innerhalb der Rhabdoidtumoren bilden und sich diese molekularbiologisch von SMARCB1-mutierten ATRTs und auch von SMARCA4-defizienten extrakraniellen Rhabdoidtumoren separieren. So ist zum Beispiel das Level an globaler DNA Methylierung in ATRT-SMARCA4 deutlich reduziert und die Signaturgene der etablierten Subgruppen in diesen Tumoren nicht hochreguliert.
Für die Untersuchung hatte die Arbeitsgruppe mit insgesamt 14 Proben Zugriff auf die bislang größte ATRT-SMARCA4-Serie. Zudem bedienten sie sich erstmals einer molekularbiologischen Charakterisierung der ATRT-SMARCA4, indem globale DNA Methylierungsanalysen und RNA Sequenzierungen durchgeführt wurden. „Die seltenen Entitäten führen uns vor Augen, wie weit wir von der vollständigen Erfassung und dem Verständnis kindlicher Hirntumor-Entitäten entfernt sind“, erklärt Dörthe Holdhof. „Klassifikationsebenen haben immer auch eine prognostische und therapeutische Relevanz. Wir hoffen, dass unsere Forschungsarbeit den Weg für weitere Untersuchungen ebnet, die schlussendlich in einer verbesserten Diagnostik und neuen Therapieoptionen münden.“ Die Daten sind in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals Acta Neuropathologica publiziert. Hier geht es zur Publikation (Acta Neuropathologica https://doi.org/10.1007/s00401-020-02250-7)
Die Krebsforschung und Krebsprävention auf nationaler Ebene stärken und die Akteurinnen und Akteure stärker vernetzen - das ist erklärtes Ziel der Nationalen Dekade gegen Krebs, eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BmBF) und Bundesministerium für Gesundheit (BMfG) ins Leben gerufene Initiative. Das Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg engagiert sich ab sofort bei dieser bundesweiten Aktion und setzt sich für eine verstärkte Kinderkrebs-Forschung ein. Professor Dr. Martin Horstmann, wissenschaftlicher Leiter des Instituts zum Hintergrund der Unterstützung: „Uns ist es ein großes Anliegen, dass die pädiatrische Krebsforschung bei diesem bundesweiten Engagement Berücksichtigung findet. Krebs im Kindesalter wird von der forschenden Industrie weitgehend ignoriert. Um so wichtiger ist diese BmBF/BmfG koordinierte Initiative, die das Thema Kinderkrebs stärker in das Bewusstsein von Politik und Gesundheitswirtschaft verankert. Trotz verbesserter Überlebenschancen sind die Kinder immer noch die größten Verlierer im Kampf gegen Krebs, da er ihnen die meisten Lebensjahre raubt oder die Lebensqualität durch Behandlungsspätfolgen nachhaltig einschränkt. Eng vernetzt mit den pädiatrischen Studienzentralen des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf (UKE) und der klinischen Patientenversorgung am Kinderkrebs-Zentrum Hamburg forschen wir ganz gezielt zu den häufigsten Krebserkrankungen im Kindesalter. Wir möchten mit diesem politischen Engagement bundesweit dazu beitragen, der Kinderkrebs-Forschung Gehör zu verschaffen und die Forschungsförderung für diesen Bereich auszubauen."
Gehirntumore sind die "Sorgenkinder" der Kinderonkologie. Wo liegen die besonderen Herausforderungen im Bereich Forschung, Therapie und Spätfolgen? Was bedeutet die Diagnose für betroffene Familien? Die Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg e.V. stellt in der aktuellen Ausgabe ihrer Mitgliederzeitung DER SCHMETTERLING unsere aktuelle Forschung im Bereich kindlicher Hirntumore vor, erklärt den Sinn und Zweck der HIT-Studienzentrale und schaut ein klein wenig stolz zurück auf 45 Jahre Fördergemeinschaft.
Die neue Ausgabe steht zum Download bereit, für den postalischen Versand reicht eine kurze Mail an buero@kinderkrebs-hamburg.de.