Hochrisiko-Leukämien sind durch ein schlechtes Therapieansprechen und ein hohes Rückfallrisiko gekennzeichnet. Häufig sind chromosale Rearrangements, die zu einer fehlgesteuerten Aktivierung bestimmter Tyrosinkinasen und Rezeptorproteine führen, mit der Entstehung dieser Leukämien verknüpft. Als Signalproteine besetzen diese Moleküle eine Schlüsselpostion im Kommunikationsnetz einer Zelle und bieten sich daher an als Ziel für eine individualisierte zielgerichtete Therapie.
Wissenschaftlern aus dem Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg, dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und dem Heinrich-Pette-Institut ist es nun duch gezielte Hochdurchsatz-Sequenzierung (Next-Generation Sequencing) gelungen, die vorliegenden Mutationen schnell und sicher zu diagnostizieren. Die rasche molekulare Diagnose ermöglicht eine zielgenaue Behandlung mit so genannten Kinase-Hemmstoffen, deren Wirksamkeit in zukünftigen Behandlungsprotokollen geprüft werden soll.
Die Methodik und Ergebnisse der Untersuchung wurden jetzt in der Fachzeitschrift Pediatric Blood & Cancer veröffentlicht.
Stadt UZ, Escherich G, Indenbirken D, Alawi M, Adao M, Horstmann MA.
Pediatr Blood Cancer. 2016 Mar 23. doi: 10.1002/pbc.25975. [Epub ahead of print]
Ulrich Schüller war zuletzt als Oberarzt mit eigener Forschungsgruppe am Zentrum für Neuropathologie der Ludwig-Maximilians-Universität in München tätig. In Hamburg bieten sich ihm nun ausgezeichnete Kooperationsmöglichkeiten mit den internationalen HIT-MED Therapieoptimierungsstudien für Kinder mit Hirntumoren. Diese werden von Prof. Dr. Stefan Rutkowski, Direktor der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum Hamburg‐Eppendorf (UKE) geleitet. Hervorragende Voraussetzungen für die Aufnahme hochwertiger translationaler Forschung.
Die Arbeitsgruppe von Ulrich Schüller wird sich damit auseinandersetzen, von welchen Zellen kindliche Gehirntumoren ausgehen, während welcher Entwicklungs- oder Differenzierungsstadien Gehirntumoren entstehen können, welche molekularen Mechanismen hierfür hauptverantwortlich sind und wie die Entstehung von Gehirntumoren ursächlich behandelt werden kann. Neben der wissenschaftlichen Tätigkeit am Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg wird Ulrich Schüller auch als Oberarzt am Institut für Neuropathologie des UKE tätig sein.
Herzlich Willkommen in Hamburg, Prof. Dr. Ulrich Schüller!
Hier geht es zur Arbeitsgruppe von Prof. Schüller.
"Wir wollen eine medizinische Einrichtung in Hamburg unterstützen, bei der wir sicher sind, dass das Geld sinnvoll eingesetzt wird" betonte Dr. Brinkmann. Im persönlichen Gespräch mit den Geschäftsführern des Instituts, Prof. Dr. Martin Horstmann und Susanne Barkmann, konnte er sich davon überzeugen.
Vielen Dank für das Vertrauen!
Die Entdeckung eines völlig neuartigen Mechanismus der Leukämie-Entstehung, wichtige Ergebnisse zur Bedeutung der Zellalterung im Prozess der Krebsentstehung, wegweisende Erkenntnisse zur Spenderauswahl bei der Stammzelltransplantation: Es sind die vielen kleinen Entdeckungen, die sich mit den molekularen Ursachen von Krebserkrankungen im Kindesalter beschäftigen, die zu einer stetigen Verbesserung der Überlebenschancen der Kinder führen.
Lesen Sie mehr über die Fortschritte und Highlights der Kinderkrebsforschung in Hamburg in dem aktuellen Bericht. Auf Anforderung senden wir Ihnen gern ein Exemplar des Forschungsberichts 2015 zu.
Auf den Hausmessen zum Frühjahrs- und Oktoberfest von Calumet wird den Kunden eine kostenlose Sensorreinigung für ihre Kameras angeboten. Seit fünf Jahren nutzen die Mitarbeiter von Calumet diese Gelegenheit und bitten um eine Spende für das Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg. Mit der diesjährigen Sammlung in Höhe von 1.113,38 Euro sind ingesamt 10.166,48 Euro zusammengekommen. Danke für dieses langjährige Engagement!
Kinder mit besonders therapieresistenten Leukämien und ungünstiger Prognose werden mit einer Knochenmark- oder Stammzelltransplantation behandelt. In etwa 20% der Fälle findet sich kein passender Spender. Dann ist die haploidente hämatopoetische Stammzelltransplantation (hHSCT) mit Mutter oder Vater als Spender eine der letzten Therapieoptionen. Dabei bleibt die Frage offen, ob Mutter oder Vater besser geeignet ist.
Wissenschaftler aus dem Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf veröffentlichten jetzt neue Befunde zur Spenderwahl in der renommierten Fachzeitschrift Bone Marrow Transplantation. Dr. Anne Kruchen und Tanja Stahl konnten erstmalig zeigen, dass für das Überleben nach hHSCT ein so genannter fetaler Mikrochimärismus bei der Mutter eine entscheidende Rolle spielt. Während der Schwangerschaft gehen einige Zellen vom Kind in den mütterlichen Kreislauf über. Die kindlichen Zellen können teilweise Jahrzehnte lang im mütterlichen Organismus überleben. Dadurch entsteht bei einigen Müttern ein so genannter fetaler Mikrochimärismus.
Die Überlebensrate von Kindern, die von ihren Müttern Stammzellen erhielten, lag um 43% höher, wenn diese Mütter einen so genannten fetalen Mikrochimärismus aufwiesen und 22% höher, als wenn Väter die Spender waren. „Unsere Hypothese ist, dass die Schwangerschaft immunologische Spuren hinterlässt, die dann von Bedeutung sind, wenn das mütterliche Immunsystem im Rahmen der hHSCT ein zweites Mal mit dem Kind in Kontakt kommt. “ vermutet Prof. Dr. Ingo Müller. In weiteren Studien sollen die immunologischen Grundlagen genauer untersucht werden und detaillierte Kriterien für die Spenderwahl erarbeitet werden. So könnte die Prognose von Hoch-Risiko-Leukämiepatienten entscheidend verbessert werden.
Kruchen, A., Stahl, T., Gieseke, F., Binder, TMC., Özcan, Z., Meisel, R., Kreyenberg, H., Bader, P., Gruhn, B., Greil, J., Pfeiffer, M., Döring, M., Handgretinger, R., Fehse, B., and Müller, I.: Donor choice in haploidentical stem cell transplantation – fetal microchimerism is associated with better outcome in pediatric leukemia patients Bone Marrow Transplant advance online publication, June 22, 2015; doi:10.1038/bmt.2015.136
Seit vielen Jahren begleitet das PBW-Team, die ehrenamtliche Mitarbeiterorganisation von Shell Deutschland, das Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg mit verschiedenen Aktionen. Anfang dieses Jahres organisierten sie wieder die Lagerräumung und verkauften mit viel guter Laune Jacken, Pullover, Becher, Legoautos und diverse Kleinigkeiten, die sich über die Monate dort angesammelt hatten.
Vielen Dank an das gesamte PBW-Team!
Der Beitrag im Deutschlandfunk
Prof. Dr. med. Martin Horstmann erhält den Preis für seine Arbeit mit dem Titel "Aberrant ZNF423 impedes B cell differentiation and is linked to adverse outcome of ETV6-RUNX1 negative B precursor acute lymphoblastic leukemia". Er teilt sich den mit 10.000 € dotierten Preis mit dem Arzt und Zahnarzt PD Dr. med. Dr. med. dent. Alexander Gröbe.
Das Ergebnis der Studie zur akuten lymphatischen Leukämie (ALL) weist in den Bereich der Epigenetik: Nicht das Gen ist fehlerhaft - es hat nur seine Markierung verloren, wird fälschlicherweise abgelesen und trägt so zur Entstehung der ALL bei Kindern bei. Grundsätzlich ist bei der ALL die Reifung bestimmter weißer Blutkörperchen - der BZellen oder B-Lymphozyten - gestört. Der Ablauf dieser Zellreifung wird durch spezielle Proteine reguliert. Das fehlerhaft abgelesene Gen produziert diese speziellen Proteine im Übermaß, welche dann wiederum die Reifung der B-Zellen blockieren. Die Folge: Unter Verlust der Selbstkontrolle vermehren sich die unreifen Vorläuferzellen ungebremst und überschwemmen schließlich das Blut. Diese neuartige Beobachtung könnte ein wichtiger Schlüssel für eine sogenannte Differenzierungstherapie sein. Eine gezielte Hemmung der im Übermaß produzierten Proteine bei Leukämien könnte die blockierte Zellreifung möglicherweise lösen und die Leukämiezellen zum Absterben zwingen.
Foto: v.l.n.r.: Prof. Dr. Uwe Koch-Gromus (Dekan), Prof. Dr. Ulrich Kleeberg (Vors. der Hamburger Krebsgesellschaft), Kai-Uwe Hübner-Dahrendorf (Behörde für Wissenschaft und Forschung), Dagmar Kürschner (Geschäftsführerin Hamburger Krebsgesellschaft), Prof. Dr. Martin Horstmann, Dr. Alexander Gröbe, Prof. Dr. Axel Zander (Vors. des Preisausschusses)
Vor einem Jahr veröffentlichten Dr. Lena Harder und Prof. Dr. Martin Horstmann ihre Ergebnisse über einen neuen Entstehungsmechanismus in einer speziellen Form der akuten lymphatischen Leukämie bei Kindern im renommierten Journal of Experimental Medicine. Die Forschungsarbeiten, die zu dieser herausragenden Veröffentlichung führten, wurden damals aus Spendengeldern finanziert. Jetzt bewilligte die Deutsche Forschungs-gemeinschaft (DFG) 307.400 Euro, damit dieses zukunftsweisende Projekt weitergeführt werden kann.
Akuten lymphatischen Leukämien (ALL) liegen häufig strukturelle Chomosomenver-änderungen zugrunde. In der hier untersuchten ETV6-RUNX1 rearrangierten ALL entsteht durch Vertauschen von Chromosomenstücken des Chromosoms 12 und des Chromosoms 21 ein atypisches Fusionsprotein. Das alleinige Auftreten dieses Fusionsproteins reicht allerdings nicht aus, um eine Leukämie auszulösen. Vielmehr ist ein so genannter „second hit“ notwendig. Dieser könnte im vorliegenden Fall in der fehlerhaften Expression des Proteins ZNF423 zu finden sein, denn Prof. Dr. Martin Horstmann und seine Arbeitsgruppe konnten zeigen, dass ETV6-RUNX1 rearrangierte ALL eine hohe ZNF423 Aktivität zeigen, die weiße Blutzellen an der Ausreifung hindert. Das nun geförderte Forschungsprojekt soll die molekularen Wirkmechanismen von ZNF423 in der Leukämieentstehung im Detail entschlüsseln. Mittels genomweiter DNA Bindungsanalysen und Transkriptomsequenzierung soll untersucht werden, wie sich ZNF423 auf die Aktivitäten der Gene in lymphatischen Vorläuferzellen auswirkt. Die Aufklärung der mechanistischen Grundlagen derartiger Differenzierungsstörungen ist von großer Bedeutung für die Behandlung der ALL im Kindesalter. Nur so ist die Entwicklung gezielter und erwartungsgemäß schonender Behandlungsstrategien denkbar, die eine weitere Verbesserung der Überlebensrate und der Lebenssituation leukämiekranker Kinder bewirken können.
Diese erfolgreiche Einwerbung von öffentlichen Forschungsgeldern zeigt eindrucksvoll, was Anschubfinanzierungen und Spenden in der Krebsforschung bewirken können.