Wissenschaftliche Nachwuchsförderung in der Onkologie

Dr. Judith Niesen erhält Mildred Scheel Nachwuchs-Förderung: HaTriCS4

Dr. Judith Niesen, Postdoktorandin in der AG Schüller, hat zusammen mit einem Projektpartner aus der Metropolregion Hamburg, eine 3-jährige Förderung des Mildred Scheel Nachwuchszentrums Hamburg (MSNZ), erhalten. Das Förderprogramm HaTriCS4 ( Hamburg Translational Research in Cancer: Stimulating, Shaping and Sustaining Scientific Careers) mit dem Schwerpunkt "Dissemination and Metastasis" hat es sich zur Aufgabe gemacht, den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Onkologie zu stärken. Unterstützt wird das Programm von der „Deutschen Krebshilfe“.

Mit dem Forschungsvorhaben knüpft Frau Dr. Niesen an eine vorausgegangene Förderung an. Im Rahmen ihrer Forschungsarbeiten beschäftigt sie sich unter anderem mit neuen EGFR-spezifischen Antikörperfragment-basierten immuntherapeutischen Ansätzen zur zielgerichteten Therapie des Medulloblastoms (MB) und des metastasieren Rhabdomyosarkoms (RMS) im Kindesalter. Das MB gehört zu den häufigsten malignen Hirntumoren bei Kleinkindern. Bei Patienten*innen mit einem RMS können sich, insbesondere im Kindesalter, Hirnmetastasen entwickeln. Es ist folglich von besonderer klinischer Relevanz, wie diese Antikörperfragment-basierten Immuntherapeutika die Blut-Hirn-Schranke, eine wichtige Barriere zwischen Blutsystem und Hirnsubstanz, überwinden können. Ein entsprechendes in vitro Blut-Hirn-Schranken Modell steht über den Kollaborationspartner (Fraunhofer IME, ScreeningPort, Hamburg) zur Verfügung und wird auf die Anwendung mit MB und RMS Zellen weiterentwickelt. Mit diesem neuartigen Modell könnten nötige Tierversuche reduziert werden, da diese wichtige Blut-Hirn-Schranken Durchlässigkeit der möglichen neuen Therapeutika nicht zusätzlich im Tier getestet werden muss. Zielgerichtete immuntherapeutische Therapiemodelle sind besonders für sehr junge Patienten*innen von großem Nutzen, da diese Patientengruppe oft ihr Leben lang an zum Teil schweren Nebenwirkungen der Strahlen- und/ oder Chemotherapie leiden kann. Eine Art der Immuntherapeutika mit denen sich Frau Niesen beschäftigt sind die sogenannten BiTEs (bispecific T-cell engager). Diese arbeiten nach dem Prinzip „Aufspüren und Zerstören“. BiTEs bestehen aus den spezifischen Binderegionen zweier Antikörper, die jeweils unterschiedliche Zielstrukturen erkennen. Eine Binderegion bleibt bei allen BiTEs gleich, sie ist für das Eiweiß CD3 besetzt, das auf „gesunden“ T-Zellen vorkommt. Die zweite Binderegion ist variabel und Tumor-spezifisch, so dass gesunde Zellen nicht angegriffen werden können. Über die BiTE-vermittelte Verbindung zwischen T-Zelle und Tumorzelle kann in den Krebszellen der programmierte Zelltod ausgelöst und sie somit zerstört werden.