Medulloblastom-Forschung in Hamburg bringt Bewegung in die Behandlung besonders junger Hirntumor-Patienten

Das Medulloblastom ist der häufigste bösartige, frühkindliche Hirntumor. Aufgrund seiner genetischen Vielfalt sind Krankheitsverläufe und Heilungschancen sehr unterschiedlich. Die Behandlung des Medulloblastoms gestaltet sich häufig schwierig – auch weil das Wissen über Tumorentstehung und -entwicklung fehlt. Die Kinder, die überleben, leiden Zeit ihres Lebens an körperlichen Beeinträchtigungen. Diese sind besonders stark dann, wenn im Behandlungsverlauf eine Strahlentherapie des Kopfes notwendig wird. Deshalb ist das Ziel der Therapie bei jungen Kindern, die Strahlentherapie trotz ihrer hohen Effektivität zu vermeiden.

Neuer Therapieansatz verbessert bei jungen Patienten das Überleben und verringert Spätfolgen
Für besonders junge Patienten könnte sich ein neuer Therapieansatz auszahlen, der von der hochgradig schädlichen kraniospinalen Bestrahlung absieht. Die Forschergruppe um Dr. Mynarek und Prof. Rutkowski am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, fand in einer Kooperation mit Partnern in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz heraus, dass Kinder unter vier Jahren von einer kombinierten Therapie aus systemischer Chemotherapie und einer Chemotherapie, die direkt in die Hirnventrikel verabreicht wird, profitieren. Die Studienergebnisse geben Grund zur Annahme, dass eine kombinierte systemische Chemotherapie zusammen mit intraventrikulärem Methotrexat (MTX) bei bestimmten Entitäten nicht nur die Langzeitfolgen minimiert, sondern zu günstigeren Überlebensraten führt. Die HIT-2000-BIS4-Studie greift dabei auf Daten von 87 Patienten zurück, die von 2001-2011 an einem Medulloblastom erkrankten und nicht älter als vier Jahre waren. Auch Probenmaterial von Prof. Dr. Ulrich Schüller, der am Forschungsinstitut Kinderkrebszentrum Hamburg und am Institut für Neuropathologie des UKE tätig ist, wurden verwendet. Zudem fungierte der Medulloblastom-Spezialist als wichtiger Ansprechparter bei der Auswertung und Interpretation der Studienergebnisse. „Der Austausch mit Professor Schüller war für uns immer konstruktiv und methodisch ungemein wertvoll – aufgrund seiner Funktion als Neuropathologe als auch durch seine Expertise im Bereich der Medulloblastom-Forschung“, erklärt Dr. Mynarek. „Durch die enge Vernetzung und Bündelung von Kompetenzen schaffen wir es, Hamburg als wichtigen Standort für die Hirntumorforschung weiter auszubauen“.

Mynarek M et al. Nonmetastatic Medulloblastoma of Early Childhood: Results From the Prospective Clinical Trial HIT-2000 and An Extended Validation Cohort. Journal of Clinical Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 24. April 2020, DOI: 10.1200/JCO.19.03057